Bremsen

Bremsen quietschen, rubbeln, schleifen: was welches Geräusch bedeutet

Quietschen, Rubbeln, metallisches Schleifen: welches Geräusch harmlos ist, welches sofort in die Werkstatt gehört – und woran du es selbst siehst.

Neuhof Meisterwerkstatt 7 Min. Lesezeit

Bremsen sind das einzige Bauteil am Auto, bei dem ein aufgeschobener Termin unmittelbar gefährlich wird. Gleichzeitig sind sie das Bauteil, das am häufigsten Geräusche macht, die überhaupt nichts bedeuten. Hier ist die Unterscheidung.

Quietschen: meistens harmlos, manchmal nicht

Harmlos: Du fährst morgens los, die erste Bremsung quietscht, nach der dritten ist Ruhe. Das ist Flugrost, der über Nacht auf den Scheiben entstanden ist – besonders nach feuchten Nächten und wenn das Auto draußen steht. Auch frisch montierte Beläge quietschen in den ersten hundert Kilometern.

Ansehen lassen: Das Quietschen bleibt, kommt bei jeder Bremsung, wird lauter oder tritt bei bestimmten Geschwindigkeiten auf. Häufige Ursachen sind verglaste Beläge, fehlende oder verhärtete Dämpfungsbleche und festsitzende Führungsbolzen im Bremssattel.

Sofort: Ein hohes, gleichmäßiges Fiepen, das auch beim Fahren ohne Bremsen da ist, ist oft der Verschleißwarner – ein kleines Metallplättchen, das absichtlich schleift, wenn der Belag dünn wird. Der macht genau ein Geräusch, und das heißt: jetzt.

Metallisches Schleifen: nicht weiterfahren

Ein kratzendes, metallisches Geräusch beim Bremsen bedeutet in aller Regel, dass der Belag komplett heruntergefahren ist und die Trägerplatte auf der Scheibe läuft. Das ruiniert die Scheibe innerhalb weniger Kilometer und verlängert den Bremsweg erheblich.

Aus einem Belagwechsel wird dabei ein Belag- und Scheibenwechsel – oft an beiden Rädern der Achse, weil Bremsen achsweise getauscht werden. Wer bei diesem Geräusch noch zwei Wochen fährt, verdoppelt die Rechnung.

Rubbeln im Lenkrad beim Bremsen

Spürst du beim Bremsen aus höherer Geschwindigkeit ein Pulsieren im Lenkrad oder im Pedal, sind meist die vorderen Scheiben verzogen oder ungleichmäßig abgetragen. Das passiert gern nach langer Standzeit mit angezogener Handbremse oder nach einer heißen Bremsung, bei der das Auto danach sofort stand.

Wichtig: Ein Rubbeln, das ohne Bremsen bei bestimmten Geschwindigkeiten auftritt, ist keine Bremse, sondern meistens eine Unwucht am Rad. Das gehört zum Reifenservice, nicht zur Bremse.

Schwammiges Pedal und langer Weg

Wenn das Pedal weich wirkt, tiefer geht als gewohnt oder du zweimal treten musst, ist das kein Verschleißthema, sondern ein Hydraulikthema: Luft im System, alte Bremsflüssigkeit oder eine Undichtigkeit. Das gehört sofort geprüft.

Bremsflüssigkeit zieht über die Jahre Wasser. Ab einem gewissen Wassergehalt sinkt ihr Siedepunkt so weit, dass sie bei starker Belastung Dampfblasen bildet – und Gas lässt sich zusammendrücken, Flüssigkeit nicht. Deshalb der Wechsel alle zwei Jahre. Die Messung dauert eine Minute und gehört bei uns zur Inspektion.

Was du selbst sehen kannst

Bei vielen Fahrzeugen erkennst du durch die Speichen der Felge die Bremsscheibe. Zwei Dinge lassen sich von außen beurteilen:

  • Der Rand. Bildet sich am äußeren Rand der Scheibe eine deutliche Kante aus Rost und Material, ist die Scheibe schon einiges an Dicke los.
  • Die Oberfläche. Tiefe Riefen, die man mit dem Fingernagel spürt, sind ein Thema.

Die Belagstärke lässt sich von außen praktisch nie zuverlässig beurteilen. Dafür muss das Rad ab.

Was die Reparatur umfasst

Bremsen werden immer achsweise gemacht – links und rechts zusammen, sonst zieht das Auto beim Bremsen zur Seite. Zum sauberen Belagwechsel gehören außerdem die Führungsbolzen des Sattels: Sitzen die fest, hängt der Belag an der Scheibe, schleift permanent und verschleißt einseitig. Das ist die häufigste Ursache dafür, dass frisch gemachte Bremsen nach kurzer Zeit wieder Geräusche machen.

Alles dazu steht auf unserer Seite zum Bremsenservice. Die meisten Bremsenarbeiten schaffen wir am selben Tag – ruf morgens an, dann sagen wir dir, ob es heute noch passt.

Die Kurzfassung

Geräusch oder GefühlBedeutungEile
Quietschen nur morgensFlugrostkeine
Quietschen bei jeder BremsungBeläge, Sattel, DämpfungsblecheTermin
Hohes Fiepen, dauerhaftVerschleißwarnerjetzt
Metallisches KratzenBelag durch, Scheibe wird zerstörtsofort
Rubbeln beim BremsenScheiben verzogenTermin
Weiches PedalHydraulik, Flüssigkeitsofort
Häufige Fragen

Das werden wir oft gefragt.

Sind quietschende Bremsen immer ein Defekt?

Nein. Morgens nach einer feuchten Nacht quietscht Flugrost auf der Scheibe, das verschwindet nach ein paar Bremsungen. Auch neue Beläge quietschen in der Einfahrphase. Bedenklich wird es, wenn das Quietschen bleibt, bei jeder Bremsung kommt oder in ein metallisches Schleifen übergeht.

Wie lange halten Bremsbeläge?

Das hängt fast vollständig vom Fahrprofil ab. Im Stadtverkehr mit vielen Ampeln sind 25.000 bis 40.000 Kilometer üblich, auf der Autobahn deutlich mehr. Wichtiger als die Laufleistung ist die Restdicke – und die sieht man auf der Hebebühne.

Müssen Bremsscheiben immer mit den Belägen getauscht werden?

Nicht immer, aber häufig. Jede Scheibe hat eine eingeprägte Mindestdicke. Liegt sie darüber und läuft sie plan, können neue Beläge allein reichen. Sind Riefen, Rost am Rand oder Verzug im Spiel, kommen beide zusammen raus.

Wie oft muss die Bremsflüssigkeit gewechselt werden?

In der Regel alle zwei Jahre. Bremsflüssigkeit zieht Wasser aus der Luft, dadurch sinkt ihr Siedepunkt. Bei starker Belastung kann sie dann Dampfblasen bilden – und das Pedal geht ins Leere. Der Wassergehalt lässt sich in der Werkstatt in einer Minute messen.